Der 25. jedes Monats ist bei Familie Rechsteiner Sackgeldtag: «Das hängt mit meinem Beruf zusammen», sagt Mutter Anita und lacht. Die 50-Jährige ist im HR tätig und hat im Rahmen ihrer Arbeit Monat für Monat mit Lohnzahlungen zu tun. «Deswegen kann ich mir dieses Datum gut merken – das war auch der Grund, warum die Wahl für den Sackgeldtermin darauf fiel.»
Noch übergeben die Eltern ihrer 13-jährigen Tochter Lynn das Sackgeld – aktuell 50 Franken im Monat – in bar. Eine spätere Umstellung auf digitale Zahlungen können sich Anita und ihr Mann Stefan aber durchaus gut vorstellen. «Doch im Moment haben wir das Gefühl, dass Bargeld besser ist, weil es bewusster ist.» Lynn könne ihr Geld so leichter zählen und sehen, wie viel sie besitzt – und entscheiden, wie viel sie davon auf ihr Sparkonto einzahlen möchte. «Wenn das Sackgeld in bar übergeben wird, ist es einfach sichtbarer», pflichtet Stefan seiner Frau bei, der selbst als Produktverantwortlicher in einem Maschinenbauunternehmen tätig ist.

Anita Rechsteiner ist im HR tätig und befasst sich im Zuge dessen Monat für Monat mit Lohnzahlungen. Deshalb erhält auch ihre Tochter zuhause ihr Sackgeld stets am 25.
Mit dem Schuleintritt ihrer Tochter haben die Rechsteiners mit dem Sackgeld begonnen; damals mit einem Franken pro Woche. «Wir fanden, Lynn könne sich so Dinge kaufen, die sie möchte und von denen wir Eltern nicht unbedingt überzeugt sind», sagt Anita schmunzelnd. Kinder hätten nun mal ihre eigenen Begehrlichkeiten. Mit dem diesjährigen Übertritt in die Oberstufe erfolgte die Umstellung von der wöchentlichen zur monatlichen Auszahlung. Bei der Auszahlung im Wochentakt sei das Sackgeld auch schon vergessen gegangen – sowohl vonseiten der Tochter als auch vonseiten der Eltern. Schlimm sein das nicht weiter gewesen: «In solchen Fällen haben wir das Sackgeld dann jeweils nachgezahlt», berichten Anita und Stefan.
«Wenn das Sackgeld in bar übergeben wird, ist es einfach sichtbarer.»
Stefan Rechsteiner
Dass das Sackgeld von nun an monatlich anstatt wochenweise ausbezahlt wird, sei am Anfang ungewohnt für sie gewesen, wie Lynn kommentiert: «In den ersten Wochen war ich noch verwundert und habe mich gefragt, wo denn mein Sackgeld bleibt. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt.»
Die 13-Jährige bewahrt ihr Sackgeld in einem Portemonnaie auf. «In einem riesengrossen», ergänzt die Mutter lachend. Das sei nicht immer so gewesen: «Früher hatte ich einen Dinosaurier als Kässeli», erzählt Lynn. «Aber ich musste ihn jedes Mal umständlich aufschrauben, um an mein Geld zu kommen. Darum bewahre ich mein Sackgeld jetzt in einem Portemonnaie auf. Das ist praktischer.»


Aus praktischen Gründen bewahrt Lynn ihr Sackgeld inzwischen in einem Portemonnaie und nicht mehr in einem Kässeli auf. Die Münzen haben zudem ihren separaten Platz im silbernen Portemonnaie, das seinen Platz im grossen hat.
«Früher hatte ich einen Dinosaurier als Kässeli. Aber ich musste ihn jedes Mal umständlich aufschrauben, um an mein Geld zu kommen. Darum bewahre ich mein Sackgeld jetzt in einem Portemonnaie auf.»
Lynn, 13 Jahre
Für Arbeiten im Haushalt erhält Lynn kein zusätzliches Geld. In bestimmten Situationen machen die Eltern aber Ausnahmen: «Wie zum Beispiel damals mit dem Grill», erinnert sich Lynn. Bei einem Apéro zuhause sei ihr aufgefallen, wie schmutzig dieser war. «Daraufhin habe ich den Grill im Garten geputzt.» Ihr Vater sei infolgedessen so froh gewesen, dass er ihr einen Batzen zugesteckt habe. Stefan lacht: «Stimmt. Ich wollte aber nicht das Putzen des Grills an sich belohnen, sondern die Eigeninitiative, die dahinter steckte. Dieser Gefallen gehörte in meinen Augen einfach honoriert.»
«Häufig gebe ich mein Sackgeld für Geschenke aus, die ich anderen mache, und weniger für mich selbst», antwortet Lynn auf die Frage, wofür sie ihr Sackgeld einsetzt. «Beispielsweise anlässlich von Geburtstagen oder an Weihnachten.» Der Schülerin steht ihr Sackgeld zur freien Verfügung und es ist nicht für grundlegende Ausgaben gedacht – einzige Regel: Süssigkeiten sind tabu. «Davon haben wir zuhause schliesslich genug», sagen die Eltern.
In jüngeren Jahren sei Lynn noch anders mit ihrem Sackgeld umgegangen: «Als ich noch jünger war, habe ich mein Sackgeld oft für Dinge ausgegeben, die ich rückblickend als unnütz empfinde – zum Beispiel irgendwelches Spielzeug. Dieses Geld hätte ich genauso gut sparen können. Denn vieles davon habe ich nach kurzer Zeit nicht mehr angeschaut und es stand später einfach nur noch herum.»
«Als ich noch jünger war, habe ich mein Sackgeld oft für Dinge ausgegeben, die ich rückblickend als unnütz empfinde – zum Beispiel irgendwelches Spielzeug. Dieses Geld hätte ich genauso gut sparen können.»
Lynn, 13 Jahre
Sparen ist Lynn wichtig: Die 13-Jährige spart bereits für die Kosten der Autoprüfung. «Als ich in der sechsten Klasse war, haben wir das Thema Geld in der Schule behandelt», berichtet Lynn. «Es ging unter anderem um Sparziele und darum, wofür man Geld ausgeben möchte und weshalb.» Und wie ist sie gerade auf die Fahrprüfung als Sparziel gekommen? «Ich fand, das sei etwas, das ich mein Leben lang brauchen werde», antwortet die Jugendliche. «Als ich davon erfahren habe, war ich überrascht», gibt Anita zu. «Schliesslich ist es ja doch ein Sparziel, das einen längeren Zeithorizont erfordert.»
Lynn selbst ist nach wie vor überzeugt von ihrem Ziel – mit 17 wird sie den Lernfahrausweis beantragen und im Anschluss die 12-monatige Lernphase für die Autoprüfung starten können. «Ich freue mich auch darauf, dann mit 18 bereits Auto fahren zu können», fügt sie lächelnd an.
Trotz ihres Sparziels kann Lynn nicht immer widerstehen. «Am Weihnachtsmarkt gab es einen Stand mit Filzhüten, die mich sofort angesprochen haben», erzählt sie. Der Wunsch war nicht zufällig: «Mein Papa hat viele Hüte, und meine Mama bekam einmal einen Filzhut geschenkt, der mir so gut gefallen hat. Da wollte ich auch einen!»
Doch der Blick aufs Preisschild machte ihr schnell klar, dass der Wunsch teuer wird: «Es war ein dreistelliger Betrag. Letztlich habe ich mich dagegen entschieden.» Stefan ergänzt: «Ich finde es interessant, wie man sich manche Kaufentscheide dann anders überlegt, wenn man sie selbst berappen muss.» In solchen Situationen haken die Eltern jeweils nach: Wäre der Wunsch auch noch in zwei Wochen vorhanden? Und wie stark ist der Wunsch noch, wenn er unerfüllt bleibt?
«Ich finde es interessant, wie man sich manche Kaufentscheide dann anders überlegt, wenn man sie selbst berappen muss.»
Stefan Rechsteiner


Lynn hat ein Faible für Ketten. Eine ist ihr besonders wichtig, da sie der ihres Vaters ähnlich ist.
In ihrer Freizeit ist Familie Rechsteiner viel in Bewegung: «Im Winter dreht sich bei uns alles um den Langlaufsport», sagt Stefan. Lynn trainiert seit einer Weile einmal wöchentlich in einer Jugendorganisation – kein Wunder, sie stand schon mit zwei Jahren auf den Ski. Jeweils am Sonntag zieht die ganze Familie gemeinsam ihre Runden.


Familie Rechsteiner ist in der Freizeit gerne draussen unterwegs, zum Beispiel beim Langlauf. Aufgrund von Lynns Wachstum mieten sie ihre Ausrüstung derzeit noch.
Die Ausrüstung ihrer Tochter mieten die Eltern jedoch weiterhin. Der Grund ist simpel: Lynn wächst rasant. «Es kam schon vor, dass sie innerhalb einer Saison – von Oktober bis April – zwei Schuhgrössen brauchte», erzählt Anita. Ein Kauf würde sich darum zurzeit schlicht nicht rentieren.

Mit Beginn der Oberstufe wird für Lynn auch die Frage nach dem späteren Beruf relevant.
Mit dem Übertritt in die Oberstufe ist für Lynn auch die Berufswahl zum Thema geworden. Eine Berufslehre könne sie sich eher vorstellen als den Besuch einer Mittelschule, sagt sie. Ideen hat sie bereits einige: «Hotelfachfrau, Forstwartin oder Drogistin.» Mit diesem Schritt wird sich sicher auch das Thema Geld in der Familie verändern. Über Kostgeld hat sich die Familie aber noch keine grossen Gedanken gemacht: «Das ist noch etwas weit weg», findet Anita. «Sobald sie wirklich ihr eigenes Geld verdient, soll sie aber ihren Teil dazu beitragen – so sehe ich das», ergänzt Stefan. Und was meint Lynn selbst dazu? Von ihrer Seite gibt es dazu keine Einwände – zumindest im Moment.
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