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«Die Bankkarte ist das am meisten genutzte Zahlungsmittel»
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Mit einem eigenen Konto mit Bankkarte gewinnen Kinder und Jugendliche an Eigenständigkeit. Im Interview erläutert Cyrille Strübin auf was es dabei zu achten gilt.

Cyrille Strübin, mit einem Konto mit Bankkarte gewinnen Kinder und Jugendliche an Eigenständigkeit im Umgang mit Geld. Ab welchem Alter ist das sinnvoll?

Wie in vielen Dingen des Alltags – je früher, desto besser. Ab wann ein Jugendkonto oder eine Bankkarte bezogen werden kann, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Bei der BLKB beispielsweise ist die Eröffnung des Jugendkontos ab 6 Jahren möglich. Ab 12 Jahren gibt es die STUcard. Das ist eine kostenlose Debitkarte der Kantonalbanken, mit welcher Jugendliche und Studierende zusätzlich von Vergünstigungen profitieren können.

Geld in Form der Bankkarte ist weniger sicht- und fühlbar wie Bargeld. Wäre es daher nicht sinnvoll, möglichst lange zuzuwarten bis die Kinder ein eigenes Konto mit Karte erhalten?

Für eine erste Auseinandersetzung mit Geld ist Bargeld sicherlich einfacher. Es verschwindet aber immer mehr aus dem Alltag und den Bezahlprozessen. Die Corona-Pandemie hat diesen Effekt noch weiter beschleunigt. In diesem Jahr hat die Bankkarte das Bargeld erstmals als meist genutztes Bezahlungsmittel in der Schweiz abgelöst. Es ist darum sinnvoll, Kinder früher an elektronisches Geld heranzuführen oder den Zugang dazu zu schaffen. Elektronisches Geld ist auch nicht per se unsicherer als Bargeld: Konten und Karten lassen sich in der Regel mit Limiten versehen. Aufzupassen gilt es bei kostenpflichtigen Abo-Angeboten wie Spielen etc. Hier ist die elterliche Aufsichtspflicht gefordert.

Wie können Kinder den Bezug zum Geld trotz der Digitalisierung im Zahlungsverkehr wahren?

Ein grosser Vorteil des digitalen Zahlungsverkehrs ist die Transparenz. Das heisst: man hat immer eine gute Übersicht, wann man für was sein Geld ausgeben hat. Eltern können die Sensibilisierung fördern, indem sie gemeinsam mit ihren Kindern die Kontoauszüge anschauen oder sie motivieren immer wieder einen Blick auf den Kontostand zu werfen. Heute ist das ja problemlos online möglich. Oft besitzen Kinder schon ab 12 Jahren oder sogar früher Smartphones, mit welchen sich die Ausgabekontrolle sehr einfach gestaltet.

Es gibt mittlerweile eine grosse Vielfalt an Bank- und Kreditkarten mit unterschiedlichen Funktionen. Welche Karten sind für Kinder ab welchem Alter geeignet?

Die Auswahl eines der Karte richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen. Eine Debitkarte empfehlen wir ab 12 Jahren. Damit können die Kinder bargeldlos bezahlen oder selbstständig Geld abheben. Ab 14 Jahren können Prepaid-Kreditkarten interessant werden, beispielsweise für Ferien oder einen Auslandaufenthalt. Kreditkarten sind ab Einstieg ins Erwerbsleben mit regelmässigem Lohn geeignet.

Im Teenageralter werden Themen wie Online-Einkauf und Auslandreisen ein Thema. Welche Karten- und Zahlungsmöglichkeiten bieten sich da an?

Wir empfehlen grundsätzlich nie nur mit einer Karte oder einem Zahlungsmittel ins Ausland zu reisen. Ist eine Karte defekt, kommt abhanden oder wird nicht akzeptiert, ist es gut, noch eine Alternative im Gepäck zu haben. Für Jugendliche im Teenageralter ist die Kombination aus Debitkarte (Visa Debit oder Debit Mastercard) und Prepaid-Kreditkarte sinnvoll. Letztere sollte wenn möglich tokenisierbar und damit auf dem Smartphone verfügbar sein.

Verschuldung und Kontoüberzug werden mit bargeldlosem Bezahlen zum Thema. Mit welchen Vorkehrungen können Eltern verhindern, dass das Kind ins Minus rutscht?

Bei vielen Banken können Jugendkonti nicht in Minus rutschen. Zudem sollten Debitkarten mit sinnvollen Tages-/Monatslimits ausgestattet werden. Am wichtigsten ist aber, dass Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Dies bedeutet beispielsweise, einmal bewusst auf einen Kauf zu verzichten und dem Kind dies darzulegen. Kinder und Jugendliche erkennen so, dass nicht alles sofort verfügbar ist.

Cyrille Strübin ist Produktmanager im Bereich Banking Services bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB).