Zwei Teenagerinnen kaufen sich von ihrem Jugendlohn eine Sonnenbrille.

Jugendlohn statt Sackgeld?

Jan Krumnacker 4 Minuten

Ständige Diskussionen um Sackgeld sind mühsam, aber besonders mit Teenagern lassen sie sich kaum vermeiden. Ein Jugendlohn als Alternative zum Taschengeld für Jugendliche kann Abhilfe schaffen und bietet die Möglichkeit, den Umgang mit Geld selbständig zu erlernen.

Was ist ein Jugendlohn?

Der Jugendlohn folgt einem einfachen Prinzip: Statt dem normalen Sackgeld zahlen die Eltern ihrem Kind jeden Monat einen fixen Betrag aus. Dieses Geld muss es selbständig verwalten und damit einzelne Kosten des Alltags selbst bezahlen, welche die Eltern bisher übernommen hatten. Zum Beispiel für Kleider, den Coiffeur, das Handy-Abo, neue Schuhe oder Kinotickets.

«Mit Sackgeld lernen Kinder den ersten Umgang mit Geld. Es ist wichtig, dass Sackgeld einen bestimmten Zweck hat. Es kann für Vergnügen, Sparen, Kleider oder andere Dinge verwendet werden. Ab 12 Jahren wird ein Jugendlohn empfohlen. Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Jugendliche erhalten monatlich einen fixen Betrag, mit dem sie selbständig bestimmte Lebenskosten verwalten müssen. Jugendliche lernen dadurch, dass Geld nicht nur für Vergnügen da ist, sondern damit auch eine Verantwortung einhergeht», sagt Nicole Valance, Vize-Präsidentin des Vereins Jugendlohn.

Das Modell eignet sich nach den Empfehlungen des Vereins Jugendlohn für Kinder ab 12 Jahren, und kann dazu beitragen, dass sich viele unangenehme Diskussionen zwischen Eltern und Kindern erübrigen.

«Jugendliche, die zum Beispiel ihre Kleider selber kaufen müssen, kaufen nur, was sie wirklich anziehen, geben mehr Sorge zu den Kleidern und verlieren sie weniger. Zudem freuen sie sich auch wieder vermehrt, wenn sie ein Kleidungsstück geschenkt bekommen. Zum Beispiel, wenn sie auf Weihnachten einen Pullover bekommen», so Nicole Valance. Wichtig ist, dass in der Familie im Voraus klar geregelt wird, was alles mit dem Jugendlohn bezahlt werden muss und was nicht.

Wenn das Kind selbst nach Jugendlohn fragt

Vor der Umstellung auf den Jugendlohn stellen sich Eltern viele Fragen. Andrea und Fabian Moser erzählen im Video, wie sie reagiert haben, als ihr zwölfjähriger Sohn Gian den Wunsch nach einem Jugendlohn äusserte und wie sie die Umstellung vom Sackgeld auf das neue Modell nun vorbereiten.

jugendlohn.ch

Der gemeinnützige Verein Jugendlohn wurde vom Entwickler des Jugendlohns, dem Psychologen Urs Abt (1940–2022), der Müller-Möhl Foundation, der Stiftung Pro Juventute, Elternbildung CH, der Schuldenberatung Aargau-Solothurn, und der Schuldenprävention der Stadt Zürich gegründet. Der Verein setzt sich für die Verbreitung des Modells des Jugendlohns in der Schweiz ein.

Mit dem Jugendlohn den Umgang mit Geld lernen

Der Jugendlohn fördert die Autonomie sowie Selbstverantwortung von Kindern in Finanzfragen und hat sich deshalb als Instrument zur Schuldenprävention in der Schweiz etabliert.

Kinder werden preisbewusster, lernen mit Geld umzugehen, langfristig zu planen und für grosse Anschaffungen oder Wünsche zu sparen. Das stärkt das Selbstvertrauen und kann bei der Vorbereitung aufs Erwachsenenleben helfen.

Aber auch die gesamte Familie kann vom Jugendlohn profitieren. Zum einen werden die Eltern entlastet, weil das Thema Geld für weniger Diskussionen und Konflikte sorgt, zum andern kann der Jugendlohn sachliche Gespräche über die Lebenskosten vereinfachen.

Vor allem in der ersten Zeit nach der Einführung kann der Umgang mit dem Jugendlohn das Kind aber auch vor neue Herausforderungen stellen. Beispielsweise wenn es früh im Monat zu viel gekauft hat und in einen finanziellen Engpass kommt. Hier ist es wichtig, dass die Eltern dem Kind beratend zur Seite stehen und allenfalls gemeinsam einen Budgetplan aufstellen.

Gut zu wissen: Finanzen sind nur ein Teil des Jugendlohns

Der Jugendlohn, so wie ihn Urs Abt begründet hat und der Verein Jugendlohn ihn bis heute weitergibt, beinhaltet nebst der Verantwortung fürs eigene Budget auch die Frage, wer künftig über Bereiche wie Freizeit oder Schule entscheidet – Eltern oder Kind – und was der Nachwuchs zum Zusammenleben in der Familie beiträgt.

jugendbudget.ch konzentriert sich auf den finanziellen Teil, weil auf der Plattform der Umgang mit Geld und der Aufbau von Finanzkompetenz im Vordergrund stehen. Eltern, die das Modell in seiner ganzen Breite anwenden möchten, finden die nötigen Informationen beim Verein Jugendlohn unter jugendlohn.ch.

Wie hoch soll der Jugendlohn sein?

Die Höhe des Jugendlohns ist sehr individuell. Er muss ins Budget der Familie passen und die Kosten, die das Kind neu selbst bezahlen soll, komplett abdecken. Der Verein Jugendlohn empfiehlt als Grundlage zuerst die jährlichen Ausgaben für alle Bereiche zu berechnen, welche das Kind in Zukunft selber tragen soll. Der Betrag wird anschliessend durch 12 geteilt und mit dem bisherigen monatlichen Sackgeld zusammengerechnet. Das Resultat ist der neue Jugendlohn, den die Eltern ihrem Kind jeden Monat auszahlen.

Anstatt zuerst eine detaillierte Ausgabenübersicht zu erstellen, kann man sich auch an einer einfachen Faustregel orientieren. Familie Zuberbühler aus dem Kanton Luzern macht es vor: Der Jugendlohn der beiden Söhne entspricht dem Alter plus eine Null hintendran. Was der Nachwuchs damit alles selbst berappen muss, erzählt die Familie in folgender Reportage.

Tipps für die Einführung eines Jugendlohns

Die Einführung des Jugendlohns ist für Eltern und Kinder eine grosse Umstellung. Diese Tipps helfen bei der Umsetzung:

  • In der Familie sollte gemeinsam entschieden werden, ob und wie der Jugendlohn eingeführt wird. Die Höhe des Betrags und welche Lebenskosten der Nachwuchs damit tragen soll beschliessen die Eltern. Alle weiteren Vereinbarungen sollten sie zusammen mit ihrem Kind treffen.
  • Die Eltern sollten einfache und klare Rahmenbedingungen formulieren, die dem Kind Orientierung geben aber auch Freiräume lassen. Beispielsweise zu welchem Anteil des Lohns Kleider selbst bezahlt werden müssen und welchen Anteil des Lohns das Kind frei für anderes einsetzen darf.
  • Sämtliche Abmachungen sollen schriftlich festgehalten werden.
  • Eltern können ihr Kind beim Eröffnen eines eigenen Kontos unterstützen, auf das der Jugendlohn einbezahlt wird.
  • Eltern sollten ihr Kind auch Erfahrungen sammeln lassen und sich bewusst sein, dass der Nachwuchs auch Fehler machen darf, um später daraus zu lernen.